Bericht zur Auszeit in der Natur bei meiner Initation im September 2015

Ich habe meinen Platz in der Wildnis gefunden, besser gesagt er hat mich zu sich gerufen. Er liegt am Rande einer Lichtung, wo eine große Buche steht und wunderbarer Farn wächst. An einem Baumstubben haben Baumpilze ihren Platz gefunden, schöne Disteln sind in der Nähe, deren Samen den Vögeln als Nahrung dienen.

Um die Buche herum liegen Bucheckern und vertrocknete Blätter. Auf der angrenzenden Lichtung blühen Herbstzeitlose und verwandeln die Wiese in ein Blumenmeer. Zeitweise zwitschern die Vögel und holen sich von den Disteln den Samen. Ich genieße die Stille, ich bin. Ich umarme die große Buche, sie heißt mich willkommen, sie schützt mich vor dem Regen, ich bedanke mich bei ihr. Soeben habe ich ein Reh an mir vorbeiziehen sehen, im Hintergrund kreischt ein Eichelhäher. Danke himmlischer Vater für die Schöpfung, danke für die erste Bibel die Du mir gegeben hast.

Ich habe gerade mit der Buche gesprochen. Sie muss sterben und ich muss sterben. Wir müssen uns Beide damit vertraut machen. Sie hat Verletzungen und ich habe Verletzungen, wir müssen mit diesen Verletzungen leben, wir müssen sie umwandeln in heilige Wunden. Wir müssen den Tod begrüßen und ihn willkommen heißen.

Mir wird plötzlich klar, dass ich keine Kontrolle habe! Ich bin machtlos und begrenzt. Ich muss mich von den tatsächlichen Umständen in der Realität belehren lassen. Ich habe keine Kontrolle über die weitere Entwicklung meines Sohnes. Ich kann die Liebe meiner Frau zu mir nicht kontrollieren. Ich habe keine Kontrolle über meine Gesundheit, über die Sicherheit meines Arbeitsplatzes, über die Entwicklung meiner Tochter. Ich habe keine Kontrolle über mein Leben, ich bin von unserem Schöpfer abhängig. In seinem Willen ist mein Frieden. Als ich das begreife kommt ein tiefer Frieden über mich und ich kann die Kontrolle abgeben.

Marcel