Die Initiation: Eine außergewöhnliche Begegnung

Wer war ich eigentlich vorher? Als Kind jüngster Sohn mit drei älteren Brüdern und immer der Jüngste in der Klasse hatte ich durchaus einige schmerzliche Erfahrungen in der Kindheit. Obwohl ich behaupten möchte, insgesamt eine gute Kindheit gehabt zu haben. Doch was entwickelte sich daraus?

Mein Leben war geprägt von der Suche nach Anerkennung, der Suche nach Bedeutung, der Suche nach Männlichkeit. Das alles trieb mich an. Ein Abi mit 1,8 gab mir Sicherheit und eröffnete mir den Zugang zu einem Wunschberuf. Leistung und Erfolg versprachen mir ein Stück Sicherheit. Zu wissen, der „gehobenen Mittelklasse“ anzugehören, beruhigte mich. Auch eine durchaus nicht nur äußerlich glückliche Ehe mit 4 Kindern schien mir Bedeutung  zu vermitteln. Aber ich gehörte auch zur „Generation Laminat“. Ich musste hart arbeiten, um weniger zu erreichen, als meine Eltern im Wirtschaftswunder zur Verfügung hatten. Es gab bei mir in der Mitte meines Lebens eine „Krise der Beschränkung“. Was konnte ich noch erreichen? Und war vieles nicht wie ein Kartenhaus, was schnell zusammenbrechen konnte. Mein Beruf, wo ich zu immer mehr Anpassungsleistungen gezwungen war, oder meine Ehe, was wäre, wenn meine Frau mich so verletzen würde, dass ich am liebsten fliehen würde? Oder die Börsen-Crashs, die mein mühsam Erspartes wiederholt zum Teil vernichteten?

Ich konnte zwar schon vorher vom Eingreifen Gottes in meinem Leben berichten, als Kind war ich Messdiener und lernte, meine Hoffnung auf Jesus zu setzen. Und es gab durchaus Wunder, der ersehnte Medizinstudienplatz zur rechten Zeit und weiteres. Ich lernte auch Gehorsam gegenüber Gottes Wort. Sein Sabbatgebot (3.Gebot!) habe ich schätzen gelernt, es hat mich seit meinem Studium vor Überarbeitung bewahrt. Immer konnte ich Ruhezeiten schützen. Aber in der Lebensmitte angekommen: Wo sollte ich Gott noch erwarten? Wie sollte er eingreifen? Es war ja vieles erreicht und man muss ja zufrieden sein… Eine tiefere Sehnsucht rief aber doch…

Initiation 2010 Österreich Weibern:

Eine außergewöhnliche Begegnung mit Jesus! Während unserer Zeit in der Stille in der Natur passierte es: Plötzlich, nachdem ich IHN eingeladen hatte, war er da! Ich hatte noch 4 andere Männer eingeladen, und sie waren auch da! Jesus erschien unspektakulär (!) aber in einer Souveränität, die ich noch nie erlebt habe. Er war in einer Gesprächsrunde mit den anderen Männern vertieft, zu meinem Thema (?!), und nahm mich einfach mit hinein. Alle waren gleichwertig! Ich war hineingenommen in eine Gemeinschaft von Männern der Heilsgeschichte und war dabei, wurde ernst genommen, man sprach zu mir. Es ist mir bis heute unverständlich, aber ich habe es erlebt.  Da ich der Bibel vertraue, habe ich dort eine vergleichbare Geschichte gefunden, die Verklärung am Berg Tabor.

Und was war die Initiation noch: Ein Trommel-Seminar, ein Seminar zum Mann-Sein, die Auseinandersetzung mit den Archetypen mit unheimlich bewegenden Bildern, Tanzen mit nacktem Oberkörper am Feuer… Im Nachhinein frage ich mich, wie das alles in die 5 Tage hineinpasst. Ich durfte Mann unter Männern sein. Es war der Beginn meiner „zweiten Lebenshälfte“.  Eine intensivere Zeit habe ich bisher nicht wieder erlebt.

Wie haben die „Veranstalter“ das gemacht:     Sie können gar nichts machen!  Aber diese weisen Männer  haben einen Erfahrungsraum (Übergangsriten nach Richard Rohr) zur Verfügung gestellt, die genau das ermöglichen, was wohl jeder anders erlebt, aber im Kern die Begegnung mit dem Wahren Selbst ist.

Was hat sich seitdem geändert: Mein Blick hat sich geweitet, ich kann mein Leben vom Ende her verstehen, auf dem Weg zur Erlösung, zum Eins-Sein mit dem Schöpfer der Welt. Das ist wahrhaft großartig!

Meine Risse und Verletzungen in meiner Biographie konnten sich durch diese neue Blickrichtung auflösen: katholische Taufe, jetzt Mitglied einer Freikirche, aufgewachsen im Westen, nun im Osten, meine verletzte Männlichkeit, das bisherige Leben und die vielen Wünsche, die nicht gelebt werden können…. Wer bin ich eigentlich? Früher und heute bin ich skeptisch gegenüber „Heilungs-Seminaren“, aber die „mens rites of passage“ habe ich als heilend erlebt! Durch und durch! Mein Blick über die Schöpfung, die Natur und die Religionen konnte sich weiten. Gottes Gnade macht vor nichts Halt. Außer vor dem freien Willen des Menschen. (S)Eine geliebte Schöpfung.

Ich erlebe mich „weiter“, ich habe ein „Herz aus Fleisch“, ich „lebe als Mann“, ich liebe meine Frau und meine Kinder und suche, dies Liebe auf meine Nächsten auszuweiten. Ich suche den Kontakt zu anderen initiieren Männer (oder Männern, die eine Idee vom wahren Selbst haben), um wesentliche Begegnungen lebendig zu halten. Ich achte die Natur als „erste Kathedrale Gottes“ und suche die Zeiten des Allein-Seins in ihr.

Aber Vorsicht: Mit einer Initiation wird nicht alles leichter oder einfacher. Es gibt Momente, da fühle ich mich „verhaftet“  in der „alten Welt“, an Dinge, die ich am liebsten schon loslassen würde. Aber das gelingt nicht sofort. Wir sind in der Welt, aber nicht von der Welt!

Es ist ein Weg, der Übung bedarf:

Mich fasziniert der Psalm 90 (nach „Die gute Nachricht)

Vers 14: „Lass uns jeden Morgen spüren, dass Du zu uns hältst, dann sind unsere Tage erfüllt von Jubel und Dank“. Danach möchte ich mich ausstrecken, die Goldstücke zu sammeln, die der Tag bereit hält, das erste Licht, die Stille früh, die mir hilft mich zu erinnern und zu spüren(!), dass Gott zu uns hält. Und Dankbarkeit und Aufmerksamkeit zu entwickeln, für die kleinen Wunder im Alltag.

Mein Ziel: Dass über meinem Leben das steht, was im Psalm 90, Vers 1 über seinen Verfasser steht:

Vers 1: „Ein Gebet von Mose, dem Mann Gottes

Welche größere Krönung gibt es als die, Mann Gottes zu sein.

Josef (mein Zweitname)